19.05 Uhr:Ich liebe meinen Sohn Dennis. Er gehört zu den cleveren kleinen Burschen, die immer von anderen bewundert werden. Er kann lesen,
rechnen, schreiben und ist mit dem Internet vertraut. Er hat nur einen Fehler: Er lässt immer alles liegen, womit er sich gerade beschäftigt hat, z.B. Spielzeugtrecker im Wohnzimmer, Spielkarten auf dem Küchentisch und
die Rennautos landen regelmäßig unter seinem Bett.
Da man ihm nicht beibringen kann die Sachen selber wegzuräumen, ist es meine Aufgabe, die Unordnung zu beseitigen. Und so lege ich abends mechanisch alles wieder an
seinen Platz zurück, bringe Dennis zu Bett und erledige alle häuslichen Pflichten, wie es sich für eine gute Mutter gehört.
Wenn endlich Ordnung herrscht, schalte ich zwei Stunden vor dem Fernseher ab.
Danach kann
ich völlig entspannt zu Bett gehen, um über Nacht neue Energie zu laden. So bin ich auch am nächsten Tag wieder voll einsatzfähig.
Bis heute nachmittag lief alles wie immer, doch dann verlangte Dennis unbedingt Milch,
obwohl ich ihm oft genug gesagt habe, dass ihm diese Flüssigkeit schaden könnte.
Er kam also vor exakt zwei Stunden mit einem Glas Milch in der Hand zu mir und fragte: “Mama, kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?”.
Natürlich habe ich ihm das sofort verboten! Ich habe doch nicht ahnen können, dass er seine Ohren in dem Moment bewusst auf taub gestellt hat.
Um 19.00 Uhr startete ich wie jeden Abend mein Aufräumprogramm und
war gerade dabei, die Autos unter dem Bett zusammen zu sammeln. Dabei stieß ich mit dem Ellbogen das noch volle Glas Milch um, welches mein Kind dort versteckt hatte.
Die Steckdosenleiste, die immer
griffbereit auf dem Teppich unter dem Bett liegt, bekam die volle Ladung Milch ab.
Da ich den Energiespar-Modus gewählt hatte und während der Aufräumphase mit der Stromzufuhr verbunden war, führte dies zu einer der
seltenen Schockreaktionen meiner Modellreihe: Mein Speicherchip wurde beschädigt. Soweit ich weiß, kann der Schaden aber ohne weiteres behoben werden.
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20.05 Uhr:
Jetzt warte ich schon eine Stunde auf den Reparaturservice. Zum Glück haben sie
mir für die lange Wartezeit ein automatisiertes Ersatzprogramm eingebaut und das ist jetzt endlich vollständig aufgeladen. Es funktioniert zwar nur ohne Gefühlmodul, aber wozu braucht ein Roboter Gefühle? Ich soll doch
hier nur für Ordnung sorgen. Ich gehe jetzt an die Arbeit, und wenn dieser kleine Bengel neben mir nicht gleich seine Sachen vernünftig wegräumt, dann kann er was erleben.